Was macht eine gute Führungskraft aus? Ein Gespräch mit Prof. Dr. Kurt Weichler
Herr Prof. Dr. Weichler, was macht in Ihren Augen eine gute Führung aus?
Prof. Weichler: Wenn es einem Verantwortlichem gelingt, sowohl kommerziell erfolgreich zu agieren als auch zufriedene Mitarbeiter um sich zu scharen. Dabei hängt das Erste vom Zweiten ab.
Worin sehen Sie persönlich das häufigste Führungsproblem?
Prof. Weichler: In den Medien generell, also nicht nur beim Corporate Publishing, resultiert das größte Führungsproblem aus der Tatsache, dass journalistisch sozialisierte Mitarbeiter eines Tages Ergebnis-Verantwortung übernehmen müssen, ohne jemals darauf vorbereitet worden zu sein. Viele habe weder Ahnung von betriebswirtschaftlicher Effizienz noch von Mitarbeiterführung. Begriffe wie Qualitätsmanagement oder Zielvereinbarungen mit Mitarbeitern sind meist Terra incognita für sie. Die Folge sind cholerische Anfälle, undurchsichtige Entscheidungen und chaotische Redaktionssitzungen.
Das Seminar „Führungsaufgaben im Corporate Publishing“ beschäftigt sich mit Themen wie Projektmanagement, Teamführung, Kundenmanagement, und Konzeption. Warum ist es so wichtig, dass Führungskräfte in jedem Bereich über Know-how verfügen?
Prof. Weichler: Führungskräfte zeichnen sich darüber aus, dass sie alle Facetten ihres Geschäfts beurteilen können – ohne sie inhaltlich komplett durchdrungen zu haben. Sie müssen zum Beispiel die wesentlichen Prinzipien des Projektmanagements kennen, damit sie über den Einsatz und den eventuell damit verbundenen Kostenaufwand entscheiden können.
Der Corporate Publishing-Markt verzeichnet seit 2003 laut Forum Corporate Publishing ein Umsatzwachstum von etwa 15 Prozent. Warum ist Corporate Publishing gerade für Fachverlage eine interessante Ergänzung ihres Portfolios?
Prof. Weichler: Weil Fachverlage das Know-how zielgruppenaffine Zeitschriften herzustellen schon im Haus haben. Während die CP-Ableger der großen Publikumsverlage Ihre Corporate Publishing-Produkte oft inhaltlich auf eine Branche zuspitzen müssen, kennen Fachverlage ihre Branchen schon. Und die nötige CP- und Unterhaltungskompetenz können sie sich relativ leicht durch entsprechend fortgebildete Mitarbeiter verschaffen.
Wann würden Sie dazu raten, das Kunden- oder Mitarbeitermagazin im eigenen Unternehmen herzustellen und wann ist es sinnvoll, den Auftrag einem externen Dienstleister zu geben?
Prof. Weichler: Es hat schon seine Gründe, warum das Gros der Unternehmen Redaktion und Gestaltung von darauf spezialisierten Dienstleistern machen lässt. Da der Erfolg von Kundenzeitschriften ganz wesentlich von ihrer Glaubwürdigkeit abhängt, können journalistisch agierende Dienstleister in der Regel professioneller und unabhängiger arbeiten, als eine hausintern geführte Abteilung. Externe haben weniger Scheuklappen und meist auch die besseren Autoren. Die Dienstleister sind CP-Spezialisten, die zudem von den Erfahrungen anderen Kundenzeitschriften, die sie außerdem noch machen, zehren können. Hausinterne Abteilungen haben noch andere Jobs zu erledigen im Marketing, in der Öffentlichkeitsarbeit und im Vertrieb. Das lenkt vom Wesentlichen ab.
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Judith Horsch
Programm-Managerin, Leitung PR
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