Friederike Klein zum Thema Fachredakteur
Frau Klein, Fachredakteure sind häufig Quereinsteiger und bringen in der Regel eine dem Medium entsprechende berufliche oder wissenschaftliche Ausbildung mit. Welche Fähigkeiten und welches Know-how sind – abgesehen von fachlicher Expertise – für Redakteure wichtig?
Friederike Klein (FK): Nachwuchsredakteure bringen meist eine ordentliche Portion Fachkompetenz und erste Beziehungen in die Branche mit. In der Redaktion lernen sie dann das journalistische und redaktionelle Handwerkszeug sowie die spezifischen Abläufe rund um das Entstehen und die Realisierung des eigenen Mediums kennen. Allerdings besteht die Tätigkeit meist vom ersten Tag an in einem Learning-by-doing. Übergreifende Aspekte bleiben dabei manchmal außen vor. Da die Redaktion aber Schnittstelle für viele Aktivitäten rund um ein Fachmedium ist, halte ich es für sehr wichtig, in einer frühen Phase der redaktionellen Tätigkeit auch Grundlagen von Marktforschung oder von Projekt-, Produkt- und Qualitätsmanagement speziell für Fachmedien kennenzulernen sowie Grundprinzipien des Vertriebs und der Anzeigenvermarktung zu verstehen. Diese übergreifenden Kenntnisse helfen im Kleinen wie im Großen, ein Fachmedium noch erfolgreicher zu machen.
Das Berufsbild des Fachredakteurs ist aufgrund der Digitalisierung stark im Wandel. Welchen Anforderungen müssen Fachredakteure heute gerecht werden, die vielleicht vor fünf Jahren noch keine Rolle gespielt haben?
FK: Die Tätigkeit in Fachzeitschriftenredaktionen wandelt sich im Augenblick tatsächlich stark. Einige Redaktionen sind bereits voll im crossmedialen Zeitalter angekommen und produzieren medienunabhängig ihre Inhalte und Service-Angebote. Andere arbeiten noch als reine Fachzeitschriftenredaktionen mit einem eher rudimentären Online-Auftritt. Es ist aber unbestritten, dass in den kommenden Jahren alle Fachverlage weiter über digitale Angebote nachdenken müssen. Die Zielgruppen von morgen werden zunehmend erwarten, Informationen und Services von hoher Qualität dort zu bekommen, wo sie sie gerade benötigen. Das kann auch weiterhin ein Printprodukt sein, oft ist es aber eben auch Internet, Mobiltelefon oder Handheld. Die digitale Welt ist dabei nicht zwingend der Feind der Zeitschrift, sondern eine spannende Ergänzung, eine Chance auf mehr Interaktion mit den Lesern und eine Perspektive für Markenausbau, Leserbindung und Umsatzzugewinn. Dabei setzen die neuen Kommunikationsformen nicht nur eine entsprechende Technologie voraus, sondern auch eine andere Aufbereitung von Information und Nutzen. Und dies ist kein statischer Zustand, sondern ein Prozess: Die digitale Welt wandelt sich ständig. Es heißt also für alle, die sich mit Fachmedien beschäftigen, sich kontinuierlich mit den aktuellen digitalen Möglichkeiten und Chancen für Fachinformationen auseinanderzusetzen.
Die zunehmende Verzahnung von Abteilungen führt dazu, dass Redakteure immer stärker abteilungsübergreifend denken und agieren müssen. Welche Schnittstellenprobleme können sich dadurch ergeben? Wie kann man sie möglicherweise vermeiden?
FK: Früher berichteten Redakteure typischerweise besonders oft von Konflikten mit den Anzeigenabteilungen. Das hat sich gewandelt. Heute sind häufig die sich rasch verändernden Strukturen rund um die crossmediale Medienentwicklung und Produktion eine Herausforderung für Redakteure. Dabei wird ein Höchstmaß an Organisationstalent, Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität verlangt, die Koordination von Aktivitäten rund um das eigene Medium verschlingen viel Zeit neben den ureigensten redaktionellen Tätigkeiten, die Arbeitsverdichtung steigt spürbar. Zeitmanagement, Selbstorganisation und Grundprinzipien des Projektmanagement sind Möglichkeiten, diesen wachsenden Anforderungen zu begegnen.
Das Thema ‚Online-Redaktion’ spielt in vielen Verlagen eine immer wichtigere Rolle. Gibt es eine konsequente Trennung von Print und Online oder müssen Print-Redakteure ihre Texte auch für die Online-Nutzung aufbereiten?
FK: So verschieden wie derzeit das Thema crossmediales Publizieren in den einzelnen Fachverlagen aufgestellt ist, so verschieden ist auch die Situation für die Redakteure selbst. Ich kenne Verlage, wo Redakteure selbst Nachrichten erstellen und online stellen, Redaktionen, in denen dieser Bereich outgesourcet wurde, oder solche, die bereits Inhalte in einem Redaktionssystem verwalten, das von vorne herein verschiedene Formate für verschiedene Plattformen verlangt. Und schließlich kann die Online-Redaktion als die aktuellere, schneller agierende Plattform sogar die bestimmende Redaktion für ein Fachmedium werden. Die Print-Redaktion verliert dann gegenüber ihrer früheren Position an Bedeutung und nutzt zum großen Teil Material, das in der Online-Redaktion erstellt wurde. Dabei gibt es meines Erachtens kein richtig oder falsch, eher die Frage, welche Branche welches Medium in welcher Form fordert und benötigt.
Fachverlage stellen sich zunehmend serviceorientiert auf und bieten den Kunden spezielle Dienstleistungen an. Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung für die Redaktion und auch für den einzelnen Redakteur?
FK: An die Kompetenz von Fachredakteuren werden dadurch natürlich immer größere Anforderungen gestellt. Die fachliche Qualifikation wird quasi selbstverständlich vorausgesetzt, ebenso der rasche Erwerb der klassischen journalistischen und redaktionellen Fähigkeiten. Aber heute reicht es eben nicht mehr, ein gutes Printprodukt zu produzieren, das dann schon jemand kaufen und lesen wird. Heute richten sich die Bemühungen von vorneherein am Bedarf von Kunden und Lesern aus. Und so muss die Redaktion in der Lage sein, schnell und serviceorientiert auf sich ändernde Wünsche dieser Zielgruppen zu reagieren und diese zu bedienen. Die Flexibilität, die in diesem Zusammenhang wichtig ist, lässt sich ebenso wie die Kompetenzen durch die Teilnahme an Schulungen wie dem Seminar „Fachredakteur kompakt“ wirkungsvoll unterstützen.
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